Von Isfahan nach Yazd

Für die Durchquerung der Wüstenlandschaft zwischen Isfahan und Yazd haben wir uns mit Peter und Linh zusammen getan. Die beiden fahren von ihrem derzeitigen Wohnort in Ungarn nach Vietnam zu Linh’s Familie. Wer auf ihrem Blog schmökern möchte, kann dies hier tun: www.2bikepackerz.com. Die beiden sind mit sehr kleinem Budget unterwegs und es würde interessant werden wie man so unterwegs sein wird. Das erste Tagesziel sollte Ezhieh sein. Wir folgten einfach dem ausgetrockneten Fluss im Südosten der Stadt. Die Straßen waren bestens und der Verkehr gemäßigt. Ab hier sollte das permanente begrüßt und freundlich angehupt werden erstmal kein Ende nehmen. Schon ein nettes Gefühl von annähernd jedem begrüßt zu werden. Auch der Satz: “Hello Mista, how are you?” Oder einfach:”Welcome to Iran” sollte uns von nun an eine Weile in den Ohren liegen. Das Städtchen Ezhieh ist eher klein und hat leider keine weiteren Attraktionen zu bieten, außer vielleicht die alten wirklich hübschen Silos. Wir entschieden uns ein kleines Zeltlager im Park aufzuschlagen. Dies sollte natürlich von den lokalen Bewohnern nicht unbemerkt bleiben. So kam bald jemand mit einem Fahrrad vorbei und erkundigte sich nach uns und unseren Plänen. Wir redeten eine Weile und er fragte noch ob wir Hilfe oder so bräuchten. Nach einer Weile verabschiedete er sich und sagte er komme später nochmal, um nach uns schauen. 

Unser Schlafplatz im Park


Nach einem vortrefflichen Abendessen aus: Nudeln mit Thunfisch (vorbei der Thunfisch mit etwas Papier bedeckt und angezündet, selber in der Dose gart), dem von unterwegs geschenkt bekommenen Brot und einem gekochten Tomaten-Linsen-Allerlei, kam der Mann vom ersten Treffen nochmal vorbei. Er fragte ob wir noch was bräuchten, Essen oder ähnliches, aber wir lehnten dankend ab. Erkundigten uns aber nach einem Gericht, was wir schon ein paar Mal gehört hatten. Der Name ist Dizi. Er erklärte uns was alles in diesem Gericht drin ist und wo man es hier in der Nähe gut essen kann. Es ist ein Eintopf aus: Bohnen, Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Limetten, Lammfleisch und Kräutern. Danach wünschten wir uns eine gute Nacht und verabschiedeten uns.Am nächsten Morgen wachten wir auf und dort stand ein Eimer mit nem Zettel dran:

Frühstück


Dizi für alle. Ein echt reichhaltiges Frühstück, aber lecker und total nett. Nach diesem Mahl packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Weg nach Varzaneh. Gestern hatte uns jemand auf der Straße angehalten und seine Karte von seinem Guesthouse gegeben, welches wir ansteuern wollten. Der Weg dorthin war wirklich schon sehr karg und wüstenähnlich. Der nette Iraner hatte uns noch von einer alten Wüstenstadt erzählt, also machten wir da halt. Hier fühlten wir uns wirklich wie in einer anderen Zeit und erstmals wirklich an einem komplett anderen Ort. 

Beim Auffüllen der Wasserflaschen und des Proviants bekamen wir noch zusätzlichen Proviant geschenkt. So langsam würde es in den Packtaschen eng. Denn sie enthielten bereits geschenkte Früchte, Brot und Süßigkeiten. Nach einem kurzen Sprint nach Varzaneh kamen wir auch bei dem besagten Guesthouse an und wurden herzlich empfangen. Man ließ uns hier für eine Nacht umsonst schlafen. Das Guesthouse war wirklich schön und heißt: Chapaker Guest House. Da wir schon sehr früh am Mittag angekommen sind, entschlossen wir uns noch einen Ausflug mit den Rädern in die Wüste zu machen. Leider sind wir nicht sonderlich weit gekommen, weil ein Sturm aufgezogen ist.

Wir “retteten” uns zurück in die Stadt und kauften noch für das abendliche Essen ein. Auf dem Speiseplan stand Pizza. Als wir zurück kamen, ließ man es sich nicht nehmen uns etwas Suppe anzubieten. Also verschoben wir das Pfannenpizza essen noch etwas nach hinten. Später, beim Vertilgen der schmackhaften Teigware, machten wir Pläne für das weitere Vorankommen. Leider wurde ich überstimmt unsere Route abseits der Hauptstraße durch die Wüste fort zu führen, da die Trinkwasserfrage ungeklärt blieb. Verdammt. 

Nach etwas Gegrummel und Schlaf war unser nächstes Ziel entlang der Hauptstraße Naîn. Der Start mit knapp 40 km war leicht aber stetig bergauf. Eine feine Sache. Du denkst dir die ganze Zeit: Alter was ist hier los? Man tut und macht, aber du schaffst keine Strecke. Erst beim Blick über die Schulter und den Höhenmesser am Fahrrad wird dir der Grund für deine schlechte Leistung präsentiert. Der Gipfel war auf gut 2245m. Danach erstmal ne Pause. Unsere Gruppe hatte sich ein wenig auseinandergefahren und so kamen Daniela und ich zuerst in einem Örtchen an. Wir fragten einen der Bewohner, ob es hier Brot und etwas zu essen käuflich zu erwerben gäbe. Er sagte leider nein, bot uns aber an, ihm zu folgen. Wir bekamen ein leckeres Essen aus: Joghurtsuppe, Brot, Spiegeleier, Paprikas, Joghurt und Granatäpfeln. Selbstverständlich noch ein kleines Kehrpaket für unseren Weg bis Naîn. 

Der weitere Weg bestand nur noch aus den Berg runterrollen. Bei langsam untergehender Sonne, dem Fahrtwind und dem Nichtstun wurde uns aber ordentlich kalt. Bei Dunkelheit erreichten wir Naîn und mussten uns nun noch um einen Schlafplatz kümmern. Peter und Linh hatten einen Zettel dabei, wo sie sich essentielle Fragen wie Schlafplatz, Essen usw in Persische haben übersetzen lassen. Damit ist Linh zu einem Jungen und hat ihm den Zettel gegeben. Volltreffer! Er sagte wir sollten ihm in den Laden seines Vaters folgen. Machten wir auch, waren nur ein paar Meter. Hier gab es erstmal Kaffee und Tee. Von hieran überschlugen sich die Ereignisse. Es wurde jemand dazu gerufen der gut englisch sprach (Diese Person hieß Moji). In der Zwischenzeit wurde unser Schlafplatz vorbereitet, ich bin zum Barbier gegangen, wir tranken noch mehr Tee, sind zu der Familie gefahren, haben eine eigene Wohnung für uns bekommen (das Fotostudio in der 2 Etage des Hauses), geduscht, haben ein gemeinsamen Barbeque (Chicken-Kebab) gehabt, mehr Granatäpfel gegessen, mehr Tee getrunken, viel gesprochen und gelacht und irgendwann ins Bett gefallen. Uff. 

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich weiterfahren, doch es kam anders. Da es Freitag war, hatte die Familie frei. Also haben wir ein Stadtführung bekommen, zuhause zu Mittag gegessen und den Nachmittag im Pistaziengarten ausklingen lassen. Dort kamen noch andere Familienmitglieder zusammen. Es gab wieder viel Tee, iranische Süßigkeiten, Pistazien und Granatäpfel direkt vom Baum. Zum Abendessen gab es Kookoo sabzi, noch so eine persische Leckerei, eine Art Omelette mit grünem Gemüse, Kräutern und Gewürzen. Am nächsten Morgen ging es dann nach dem Frühstück weiter. Wir wurden natürlich nicht ohne Proviant gehen gelassen. Es gab Brot, Käse und Granatäpfel. 

Im alten Basar

Unser Weg führte uns entlang einer mäßig befahrenen Schnellstrasse. Dank des recht breiten Seitenstreifens, lässt es sich trotzdem entspannt radeln. Pause machten wir an einer Art verfallenen Karawanserei, wo wir unsere ersten Kamele zu Gesicht bekamen. Wohl auch die einzige Möglichkeit an frisches Wasser zu kommen. Ein Mann und sein Sohn hatten hier ebenfalls kurz pausiert und wir bekommen prompt wieder Granatäpfel geschenkt. 

Pause an einer alten Karawanserei

Am Nachmittag erreichten wir unser geplantes Ziel Ajbeh. An einer Tankstelle füllten wir unsere Wasserflaschen auf und hatten noch einen kleinen Snack, als ein junger Mann mit seinem Auto neben uns halt machte. Er fragte was wir so machen und ob wir schon einen Schlafplatz hätten. Wir verneinten und daraufhin meinte er, wir können in seinem noch nicht fertig gebautem Guesthouse schlafen. Es gab dort schon ein fertiges Zimmer, doch wir müssten zur öffentlichen Toilette gegenüber. Für uns kein Problem. Das Guesthouse lag im alten Teil der kleinen Stadt und man fühlte sich hier tatsächlich wie bei “1000 und einer Nacht”. Es gab erstmal Tee und Melone auf der Dachterrasse mit einem herausragendem Ausblick über die Dächer und auf die Moschee. Zum Abendessen sind wir zu einem Restaurant gefahren und es gab wieder lecker Reis mit Hühnchen in der üblichen riesigen Portion. Als es and bezahlen ging, rechnete der Wirt alles feinsäuberlich zusammen, strich die Gesamtsumme einfach durch und meinte: “welcome to Iran”. Zum Abschluss gab es sogar noch nen Tee obendrauf. Es war nicht das erste und wird auch nicht letzte Mal sein, Probleme beim Begleichen seiner Rechnung zu haben. 

Blick von der Dachterasse


Welcome to Iran


Der nächste Tag brachte uns durch wüstenähnliche Landschaft nach Meybod. Beste Straßenverhältnisse und permanent grüßende Iraner inklusive. Langsam bekam man fast das Gefühl ein Star zu sein. Meybod selber erreichten wir noch im Hellen. Allerdings überschritten die verfügbaren Unterkünfte das Budget von Peter und Linh. Dies war ein wenig Schade, da wir mit der Suche nach passenden Unterkünften viel Zeit vergeudeten und somit weniger von der Stadt hatten. Man bot uns zwar eine private Unterkunft an, allerdings erst ab 20:00. War zwar verständlich, da die Person noch solange arbeiten musste, aber für uns erstmal nicht die erste Wahl. Irgendwann hat Peter etwas passendes gefunden. Man lud uns ein in der Moschee, bzw in deren angeschlossenen Räumen zu schlafen. Einfache, in sich abgeschlossene Räume mit eigenem Badezimmer. Perfekt. Abends haben wir dann noch eine iranische Pizza verdrückt. Ist nicht mit dem vergleichbar was man bis dato kannte, aber ein guter Imbiss.
Inzwischen hatten wir uns schon ein paar mal mit Tabea und Matthias geschrieben und es würde sich eine Möglichkeit ergeben die beiden in Shiraz zu treffen. Daher stand fest, dass wir die Reisegruppe in Yazd verlassen würden, um die beiden zu treffen. Bis Yazd gab es keine besonderen Vorkommnisse und die restliche Fahrt verlief bestens, obwohl der Verkehr zunehmend dichter wurde.  

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