Von Batumi nach Borjomi

Nach dem Ausflug in den Kaukasus sollte es für uns endlich mit dem Fahrrad weiter gehen. Ziel sollte Tiflis sein, wo wir uns mit Matthias und Tabea verabredet haben. 
Also ab auf die Drahtesel und erstmal aus Batumi raus. Mit dem Fahrrad ist dies für Daniela jedesmal Stress, aber sie wird und muss für den Iran auch diesbezüglich besser werden. Vorbei an feinsten Industriegebieten haben wir den Weg aus der Stadt genommen und nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen haben, war auch alles bestens. Bis auf die etwas abhanden gekommene Kondition…naja wird schon kommen, hoffentlich, bestimmt, na wir hoffen einfach mal das Beste. Wir fuhren an wirklich toller, leicht bergiger Landschaft vorbei.

Eine der vielen alten Brücken


 

Das Tagesziel sollte Keda sein. Dies haben wir auch erreicht und dort erstmal die Touristeninfo angesteuert. Diese sind bestens zu erkennen, weil sie sich “architektonisch” als orange-weißer moderner Würfel doch sehr vom Rest der Städte/Dörfer unterscheidet. Hier in Keda arbeitet eine wirklich nette und unglaublich hilfreiche junge Frau. Wir haben bestimmt ne halbe Stunde in dem Würfel zugebracht. Verlassen haben wir ihn mit einer Adresse zum Schlafen und dem bereits bestellten Menü für den Abend. Nach ein paar Tagen Magenproblemen in Batumi war mein Essenswunsch eigentlich Reis und Rührei. Naja, kam dann doch anders. Das Guesthouse wurde von einer Frau namens Madonna geführt, die dort mit ihrer Familie lebt. Eigentlich kurz nach unserer Ankunft ging das Menü schon los. Es wurde alles Mögliche und wirklich Leckere aufgetischt. Meinen Wunsch nach Reis und Ei konnte man nicht ganz nachvollziehen, denn als Radler muss man offensichtlich ordentlich essen. Also gab es eine Riesenschüssel Reis und eine ganze Pfanne mit Ei. Für Daniela gab es diverse andere Gerichte. Wir haben bei weitem nicht alles schaffen können und haben uns den Rest für den nächsten Tag mitgeben lassen. Nach einer kurzen Essenspause gab es dann noch Kekse, Kuchen und Obst. Uff, auf dem Bauch konnten wir diese Nacht definitiv nicht schlafen. 


Bestens gestärkt nahmen wird jetzt langsam die Berge in Angriff. Alles noch ganz ok, aber der sogenannte “Todespass”, so nennt Daniela ihn, stand uns ja noch bevor. Auf dem Weg nach Khulo, unserm nächsten Ziel, kamen wir durch Dörfer und haben permanent eine grandiose Aussicht auf die Berge gehabt. Khulo selber ist nicht besonders hübsch und auch unsere Unterkunft war eher “zweckmäßig”. Abends gab es in einem “Restaurant” Khinkali. Mit denen macht man nie was verkehrt und auch diesmal ging es gut. Immerhin mussten wir uns ja bei Kräften für den “Todespass” halten. 


Die Wege auf der nächsten Etappe gingen jetzt langsam in Schotter über, sollten aber erst der Anfang auf einer nach oben offenen Skala für schlechte Wege sein. Wir waren ja aus der Ukraine schon schlechte Straßen gewohnt, aber diese hier wären bei schlechtem Wetter nicht fahrbar gewesen. Dies ist vor zwei Wochen Bruno, Jürgen und Dieter passiert. Sie sind hier bei schlechtem Wetter unterwegs gewesen und mussten von einem Transporter “gerettet” werden, weil sie einfach nicht weiter gekommen wären. Aber wir hatten einfach nur schlechte, steile Wege bei traumhaftem Wetter. 

Kleines Päuschen in einem Bergdorf

Traumhafte Bergstraßen und bestes Wetter


Unterwegs gab es auch die ein oder andere Anerkennung von Autos die uns begegneten. Aber gerade Daniela war so in ihrem “Tunnel”, dass sie wenig von der Anerkennung mitnehmen konnte. 

Aber am Ende haben wir es beide geschafft. Der “Todespass” war besiegt und pünktlich zum Sonnenuntergang waren wir oben und konnten ihn genießen. Und dafür hat sich die Schinderei wirklich gelohnt.

Erschöpft aber glücklich


Auch unsere Unterkunft war wirklich nett und auch das Essen in einem Gasthaus war reichlich und lecker. Noch schnell eine heiße Dusche und dann ab ins Bett, weil wir beide wirklich fertig waren.

Gasthaus und Lädchen in einem


Laut Karte sollte der neue Tag mit einer erstmal 30km langen Abfahrt beginnen. Klingt so erstmal nach nem Träumchen, aber warum sollten die Straßen auf der anderen Seite des Passes auf einmal besser sein? Waren sie auch nicht. Und so bremsten wir uns den Berg wieder hinunter und wichen so gut es ging den Steinen und Schlaglöchern aus.


Leider hat es bei mir nicht so gut geklappt und ich merkte irgendwann deutliche Schläge am Lenker, was leider von einem Platten kam. Also erstmal nachgepumpt und gehofft dass es hält. Tat es aber nicht. Ich musste noch mehrmals nachpumpen und entschied mich dann im nächsten Dorf zu flicken.


Hier waren wir mit der Reparatur auch gleich Mittelpunkt des dörflichen Treibens. Aber man bot mir auch gleich Hilfe an. So haben kurzzeitig neben mir drei weitere Männer nach dem Loch gesucht. Irgendwann meinte ein älterer Mann was mit “Water” und bat mich ihm zu folgen. Das tat ich auch und bekam ne Schüssel mit Wasser zum Auffinden des Loches. Dazu gab es auch noch die Einladung zu einem Schnäpschen, was ich aufgrund der noch zu fahrenden Kilometer und der Uhrzeit von 12:00 Uhr dankend abgelehnt habe. Auf dem Weg nach Achalziche gab es keine weiteren Besonderheiten und wir haben es pünktlich zum späten Nachmittag erreicht. 

Alchalziche

Unser Guesthouse lag ein wenig am Rand des Städtchens, war dafür aber herrlich ruhig. Neben uns war noch eine bunte Gruppe aus Batumi dort, die alle sehr gut englisch sprachen und einer sogar deutsch. Wir beschlossen den Abend gemeinsam essen zu gehen und fragten den Besitzer ob er was empfehlen könnte. Er hatte auch direkt einen Vorschlag und hat uns dort hingefahren. Als wir ankamen war dort außer uns niemand, aber was dann als Essen die Küche verlassen hat, hätte locker für die doppelte Anzahl an Gästen gereicht. Man man man. Wir waren alle sowas von satt und das zu einem Zeitpunkt wo noch nicht alle Gerichte auf dem Tisch waren. Seit der Ukraine schien es üblich zu sein, Essen, sobald es fertig ist, direkt zu servieren. Und so fängt man halt schonmal an, probiert hier und da ein wenig und das taten wir auch und waren wie gesagt alle satt. Am Ende kam eine wirklich sehr freundliche Rechnung und das ein oder andere Behältnis zum einpacken der “Reste”.

Also wieder eine Nacht auf dem Rücken schlafen. Naja, was solls.

Offenbar hat Daniela die Mengen an Essen nicht so gut vertragen und sie hatte das Bedürfnis die nächsten Tage auch eher Reis zu essen. Ich war auch noch nicht so auf dem Damm und fand es eine prima Idee. Den nächsten Tag haben wir uns eine neu aufgebaute Festung angeschaut, über die im Vorfeld nicht nur Gutes zu lesen war. Von Außen wirklich sehr schön und beeindruckend aber von innen…….naja schön schon, aber völlig steril und seelenlos rekonstruiert. Das hätten wir uns schenken können. Aber nun gut. 



Nach drei Tagen “Zwangs”-Pause rollten wir nun weiter Richtung Borjomi. Ursprung des hier in Georgien äußerst berühmten Mineralwassers. Und vielleicht auch ein Ort wo endlich mal die Badehose in einer der warmen Quellen zum Einsatz kommen könnte. Auf dem Weg sollte noch eine Villa zu besuchen sein. Aber leider hatte sie zu dieser Jahreszeit bereits geschlossen und war nicht zugänglich. Also weiter in die Stadt und Unterkunft suchen.

Kurz vor Borjomi

Hat seine ganz eigenen Charme

 

War auch ein Glücksgriff. Die Betreiber waren sehr nett und ihr Guesthouse auch sehr schön. Mit uns war noch eine Gruppe Israelis dort untergebracht, die zum Wandern unterwegs waren. Eine nette Gruppe mit der wir uns noch eine Weile unterhalten haben. 

Unser Guesthouse

Gegen Abend wurde dann auch das Wetter schlechter und wir machten uns nur schnell auf die Suche nach einem Restaurant. Und wir hatten Glück. Ein nahes Restaurant bot zum ersten Mal seit Wochen mehr als nur Suppe, georgisches Brot und Teigtaschen an. Denn so langsam hatten wir davon genug probiert. Die georgische Küche hat sich uns als nicht sonderlich abwechslungsreich und auch eher sparsam in der Würzung präsentiert. Da war dieser armenische Laden wirklich ein Highlight. Frische Kräuter, nette Speisen auch mal ohne Fleisch und/oder Käse. Nee wat schön und lecker! Hier wollten wir am zweiten Abend, nach unserem Ausflug zu den warmen Quellen nochmal hinkommen. Taten wir auch. Aber erstmal die Quellen. Bei recht passablem Wetter packten wir unsere Sachen, inklusive Badesachen, und machten uns auf den Weg. Die ein oder andere Straße und Park in Borjomi ist auch wirklich sehr hübsch, andere wieder etwas weniger. 



Zu den Quellen kommt man durch eine Art Kurpark mit diversen kleinen Fahrgeschäften. Zu dieser Jahreszeit aber bereits außer Betrieb. Mit Näherkommen der Quelle wurde das Wetter auch immer besch…..r. Aber ich wollte unbedingt meine Badehose zum Einsatz kommen lassen. Kurz vor den Quellen regnete es dann so richtig und wir haben erstmal unter einem der Dächer unterstand gefunden und den Regen abgewartet. Sollte auch nicht lange dauern und jetzt ab in die Badesachen und hinein in die pi…warmen Becken. Solange man sich bewegte, war auch alles angenehm warm, nur länger tatenlos am Beckenrand liegen war nicht wirklich drin. 


Der Geruch des Wassers war sehr mineralisch, ebenso der Geschmack. Wir haben uns an einer der Brunnen eine Flasche abgefüllt, sollte gut für Magen und so sein, und davon gekostet. Ebenfalls sehr mineralisch. Der Geschmack ist so ähnlich wie der den man hat, wenn einem Blut aus der Nase in den Rachen läuft. Yammy. An der Flasche haben wir nur sehr spärlich genippt und sie später durch Leitungswasser ersetzt. So schlimm waren die Mägen dann doch nicht.

Ein Gedanke zu “Von Batumi nach Borjomi

  1. Hallo ihr 2, wir sitzen gerade bei einem Warmshower in San José, Costa Rica und lasen den neuesten Bericht. Vielen Dank, dass ihr uns immer mit so unterhaltsamer Lektüre versorgt. Wenn ihr auch ein bisschen davon braucht, könnt ihr uns unter:
    http://www.umdiewelt.de/t8833_0
    “verfolgen”. Liebe Grüße von den Pirnaern Jana und Thomas

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