Iran – Teheran

Alter, leck mich am Arsch, dat glaubt dir keiner! Wir hätten es vorher nicht für möglich gehalten, was dies für ein Land ist. Zwar hatten wir vorher davon gelesen, aber vorstellen konnten wir es uns nicht. Es ist mit Abstand das Land,welches den bleibendsten Eindruck hinterlassen hat. Dies ist auch mit einer der Gründe, warum wir zeitlich mit dem Schreiben so in Verzug gekommen sind. Es war einfach unglaublich intensiv und beeindruckend, dass wir mit etwas Abstand unsere Eindrücke aufschreiben können. Vorneweg, ohne Zuviel zu verraten: es ist der Hammer.

Die Fahrt mit dem Nachtbus aus Armenien verlief bis auf weiteres ganz gut. Die Busse sind mehr als komfortabel und der Mitreisende Philipp war ein wirklich netter und interessanter Kerl. 


Zwischendrin haben wir mal ein wenig geschlummert und das wirkliche Schmuddelwetter draußen einfach vorbeiziehen lassen. Wir wollten eigentlich in Tabriz aussteigen und von hier mit dem Fahrrad weiter. Allerdings wurde das Wetter nicht wirklich besser und wir wären somit nachts bei Regen angekommen und hätten uns erstmal ne Bleibe suchen müssen. Also fassten wir den Entschluss mit dem Bus weiter bis Teheran zu fahren. Jetzt musste unser Plan nur noch dem Fahrer mitgeteilt werden. Er hat auch recht schnell verstanden worum es geht und wollte wohl für sich noch ein nette Geschäft daraus machen. Für die Weiterfahrt wollte er einem absurden Betrag in Dollar auf die Hand haben. Nachdem er uns versucht hat irgendwas auf Farsi zu erklären und bei der dritten Wiederholung eine beträchtliche Lautstärke erreicht hatte, lehnten wir dankend ab. Mit der Hilfe anderer iranischer Fahrgäste haben wir es etwas später nochmal probiert. 

Einer der freundlichen Fahrgäste


Letztendlich zahlten wir noch die Differenz zwischen unserem Fahrpreis und dem Preis für die Gesamtstrecke, die wir von Philipps Ticket entnommen haben. Er hat sich das Geld mit einem nicht ganz so glücklichlichen Gesicht in die Tasche gesteckt und wir sind weiter im Bus geblieben.

Am nächsten Morgen kam unser Bus pünktlich in Teheran an und wir hatten zum ersten Mal seit Wochen gutes Wetter.

Erstes Foto im Iran


 Um nicht unnötig viel Zeit verstreichen zu lassen, haben wir uns gemeinsam mit Philipp für eines der günstigen Hotels aus dem Lonely Planet entschieden. Philipp hat die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt und wir sind mit dem Fahrrad hin. Gute 15 Kilometer durch eine der, verkehrstechnisch, chaotischsten Städte der Welt. Der eine sieht es eher als Herausforderung, die andere macht sich wirklich Sorgen. Zum Glück ging bei Beiden alles gut und wir sind heile am Hotel angekommen. Gelegen war das Hotel im Autozubehör-Teil der Stadt. Hier wimmelte es nur von kleinen Läden die alles, wirklich alles verkauften was irgendwie an Autos, LKW’s oder Trecker geschraubt werden kann. Wir ruhten uns erstmal aus und begaben uns dann auf eine kleine Erkundungstour. 

Wir kämpften uns auf den Gehwegen und Straßen in Richtung Bazar. Teheran scheint nicht für Fußgänger gemacht zu sein. Auch auf dem Bazar war es gut trubelig. Irgendwann wollten wir gern einen Kaffee oder Tee trinken. Nach einigem Rumfragen wurden wir zu dem kleinsten Teeladen der Welt geführt. Der Besitzer berichtet stolz, dass er im Guinness-Buch der Rekorde steht und der Laden seit Generationen in Familienbesitz ist. Und so kamen wir in den Genuss unseres ersten persischen Tee’s. 

Kleinste Teestube der Welt

Basar in Teheran


Gegen Abend wollten wir uns dann, wieder in der Nähe unseres Hotels, etwas zu Essen suchen. Leider gab es in unmittelbarer Umgebung nichts außer diesen Autozubehör-Läden. Nichtmal Restaurants. Nach zig Runden haben wir dann doch noch einen Imbiss gefunden und den ersten Kebab gegessen. Dazu gab es die ersten iranischen (alkoholfreien) Frucht-Biere und Dough. Die iranischen Biere haben nichts mit alkoholhaltigen Bieren, die man sonst so kennt, zu tun. Der Geschmack geht eher in Richtung Limonade aber nicht ganz so süß. Nach Georgien und Armenien aber ganz gut. Dough ist ein Getränk aus: Joghurt, Wasser, Salz und manchmal diverse Kräuter. Eigentlich wie Ayran, allerdings sagte der ein oder andere Iraner, daß iranischer “Dough” damit nicht zu vergleichen sei. Naja, vielleicht so wie: Bier ist nicht gleich Bier. Nur weil die gleichen Zutaten enthalten sind, kann man daraus was wirklich leckeres machen oder zum Beispiel Becks …. (hier kann man seine persönliche Liste mit schlechten Bieren innerlich vervollständigen).

Am nächsten Tag in Teheran haben wir nochmal probiert die Stadt zu erkunden, aber was sollen wir sagen, irgendwie haben wir wenig schönes gefunden. Es gab einen netten Park, wo wir etwas Ruhe tanken konnten und ein zwei nette Straßen. 

Unser Viertel in Teheran

Straßenbild Teheran

Hübscher Hauseingang

Urban Gardening mitten in Teheran

 

Ansonsten war die Stadt aber wirklich feinster Trubel. Egal ob Straßen, U-Bahn, Gehwege und/oder Geschäfte. Irgendwie hat es uns nicht so wirklich gefallen.  

Auch Philipp, der alleine losgezogen ist, um seine weiteren Zugtickets zu kaufen, hat beim späteren Wiedersehen nicht viel anderes zu berichten gehabt. Abends stand dann wieder das “Abendbrot-Problem” an. Es wurde gemunkelt, dass es im Norden der Stadt ein Ausgehviertel geben soll. So beschlossen wir dieses Viertel zu erkunden und hoffentlich was zu Essen zu finden. Die Bahnfahrt dorthin war problemlos. Die Wagons wohl temperiert und man hatte die Möglichkeit bei fliegenden Händlern wirklich alles für den täglichen Gebrauch zu erwerben. Da unsere Packtaschen schon voll waren, mussten wir leider batteriebetriebene, blinkende und singende Goldfische links liegen lassen. 

Angekommen im Ausgehviertel hat uns der Schlag getroffen. Hier waren also all die Cafés, Restaurants und Menschen. Erstmal sind wir ein wenig planlos über den Basar gelaufen und einfach im Strom von Menschen mitgeschwommen.

Basar im Norden von Teheran


Nach ca 10min schwimmen, bemerkte Daniela, dass uns schon eine Weile ein Dreier-Grüppchen junger Männer folgt. Irgendwann haben wir vor einem Restaurant halt gemacht und überlegt wann und wo wir was essen gehen sollen. Da kam es zum Aufeinandertreffen mit den drei Typen. Sie erwiesen sich als total nett und etwas schüchtern. 

Die “Verfolger” und die “Verfolgten”

Coffee makes you feel better


Sie haben uns nämlich wirklich schon vor 15 min gesehen und seitdem überlegt, ob sie uns ansprechen sollen. Sie würden uns nämlich gerne zum Essen einladen und sich mit uns unterhalten. Wir stimmten zu und waren ein wenig froh, dass uns jemand in dem Trubel helfen würde. Wir gingen in eins der Restaurants und sie bestellten für uns. Es gab Asch-e Reschte und Halim. Beides sind Suppen, die mit Brot gereicht werden. Asch-e Reschte besteht aus: Hülsenfrüchten, Kräutern und einer Art Nudeln. Bei Halim konnte ich mich nicht so ganz entscheiden. Es besteht aus Fleisch, Weizen, Zucker und Zimt. Tja, wo packst du das jetzt hin. So ein süßer Brei wäre was für den Morgen, nur jetzt war es Abend, oder als Nachspeise, aber da war ja noch das mit dem Fleisch. Es hat auf jeden Fall nicht schlecht geschmeckt. Dazu gab es Brot. Als “Absacker” wollten wir noch zusammen was trinken gehen und uns für die Einladung revanchieren. Es gab Tee und Kaffee und es war wirklich schwer für die Getränke zu zahlen. Irgendwann hat Philipp ein Machtwort gesprochen, immerhin hätte er der Vater der drei jungen Männer sein können und wir durften uns revanchieren. Danach machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel und beschlossen, wie auch schon am Vorabend, im Hotel noch ein weiteres Kännchen Tee zu trinken. Philipp musste am nächsten Morgen einen sehr frühen Zug für seine weitere Reise bekommen und uns stand eine Busfahrt nach Isfahan bevor. Die sollte nicht das Problem sein, allerdings mussten wir ja mit den Rädern zum Busbahnhof. Und da war ja noch die Sache mit diesem lustigen Verkehr. Tickets hatten wir schon und so konnte der Fokus ganz auf der Fahrt liegen. Hat auch diesmal gut geklappt. Da wir aus den vergangenen Busfahrten gemeint gelernt zu haben, hatten wir die Mitnahme unserer Räder bereits beim Ticketkauf mit angegeben und einen gewissen Aufschlag dafür gezahlt. Mal sehen ob es diesmal klappt. Und ja, es hat geklappt. Kein weiteres Handgeld für den Fahrer. Ohne große Diskussionen verschwanden unsere Räder im Stauraum des Busses und der Fahrer fand es eher gut, dass wir mit Rädern unterwegs sind. Gegen 19 Uhr sollten wir dann in Isfahan ankommen. 

Ein Gedanke zu “Iran – Teheran

  1. Halle Daniel und Daniela,
    heute habe ich eure Berichte ab dem 08. Januar gelesen. Toll, was ihr mit den Mitmenschen so erlebt und es ist schön, dass so viele Menschen freundlich, hilfsbereit, offen und zugewandt sind. Ich freue mich für euch, dass ihr diese Erfahrungen machen könnt. Die kleine “Ein- und Auspack-Flaute” habt ihr hoffentlich überwunden und seit für neue Abenteuer bereit. Ich wünsche euch weiterhin gute Reise und einen gesunden Magen.
    Liebe Grüße aus dem eisigen Berzdorf von Heike

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