Die letzten Tage in der Ukraine

Auf dem sogenannten Campingplatz haben wir zum weiteren auskurieren erst drei Tage gebucht und später noch um eine weitere Nacht verlängert.


Die Tage bestanden eigentlich aus in der Sonne rumliegen/sitzen, ab und an ins Dorf zu laufen und Kekse zu kaufen, unsere Fahrräder zu warten und zu lesen. Mit uns waren die ersten Tage eine Gruppe Ukrainer auf dem Campingplatz, die die meiste Zeit eigentlich getrunken und gesungen haben. Da sie sehr großzügig waren haben sie sowohl ihren Schnaps als auch ihren Gesang bis spät in die Nacht mit uns geteilt. Am letzten Tag kam noch weiteres Pärchen mit ihrem Faltboot auf den Platz und sie sprachen sogar deutsch. Hat zwar erst ein paar englische Sätze gedauert, aber dann haben wir uns doch auf deutsch geeinigt. Olga und Thomas aus Österreich machten hier Urlaub mit ihrem Faltboot und paddelten den angrenzenden Fluss ab. Gemeinsam hatten wir noch einen sehr netten Abend und haben unsere gegenseitigen Erfahrungen ausgetauscht.

Auch wir wollen endlich weiter und so hieß es dann Abschied nehmen von “Billy Bison” und wieder zurück auf die lustigen Straßen.


Nochmal kurz am Minimarkt angehalten und mit der Verkäuferin “Activity” gespielt, bis wir die Dinge zusammen hatten die wir für die nächsten Kilometer bis zu unserem WarmShower Host Mikhail brauchten. Die Strecke dahin zeigte sich für ukrainische Verhältnisse von einer eher angenehm zu fahrenden Etappe. Unser Gastgeber Mikhail verdiente sein Geld mit diversen Dingen und bewohnte einen Teil einer alten Fabrik, in der sein Computerladen, sein Fahrradladen und das Büro war.


Abends hat er uns noch etwas gekocht und uns Bilder seiner Fahrradtouren und seines letzten Urlaubes gezeigt.

Am nächsten Morgen sollten wir noch unbedingt das Haus seines Vaters sehen und so hat er uns nach dem Frühstück mit zu seinem Vater genommen. Seinen Vater kannten wir bereits von den Fotos der Radurlaube. Einen wirklich netter, sportlicher älterer Mann, der sichtlich stolz auf sein wirklich sehr schönes Zuhause war.


Nach der Führung durch das gesamte Haus hieß es für uns auch langsam Aufbruch. Im Radladen erstanden wir noch zwei Rückspiegel und konnten nun viel sicherer die nächsten Kilometer an Angriff nehmen.

Unser Ziel für heute hieß Czernowitz. Nachdem wir gestern noch von Mikhail erfahren haben, in den letzten Tagen eigentlich die beschissensten Straßen genommen zu haben, haben wir uns an seinen Rat gehalten und sind ohne größere Probleme in Czernowitz angekommen. Aber es wäre ja zu einfach. Unser zuvor gebuchtes Hostel wusste natürlich nichts von unserer Reservierung und hatte auch keine Betten mehr frei. Super! Dem äußerst netten und hilfsbereiten Betreiber des Hostels war dies sichtlich unangenehm und er hat uns ein Zimmer in einem Hotel organisiert.



Auch hier, wie in so gut jedem Hotel, gab es schnelles Internet und wir haben es genutzt um, neben etwas Stadtbummel unsere Fährfahrt nach Georgien zu recherchieren. Hoppala, warum endet bitte der Fährplan in ein paar Tagen? Und dann gab es den wahrscheinlich schnellsten und kompetentesten Email-Verkehr den man sich nur wünschen kann. Die Ansprechperson heißt Mr. Vladlen. Man schreibt ihm eine Mail mit einer Frage und Zack, ein paar Minuten später hat man die Antwort. Nach ein paar Mails, also im Prinzip nur ein paar Minuten, stellte sich heraus dass die vorerst letzte Fähre am 14.09. fährt, also in weniger als einer Woche. Wir wollten gerne noch etwas von Odessa sehen und hatten eigentlich keine Lust die knapp 600km einfach nur zu rasen und haben beschlossen den Zug zu nehmen. Im Internet kursieren diverse Berichte über den Transport von Fährrädern mit der ukrainischen Bahn. Sie gehen von: ach, kein Problem, einfach mit rein nehmen – über: naja, Fahrrad in ne Kiste – bis: geht nicht!

Also haben wir uns vorher am Bahnhof erkundigt, Fahrscheine für uns und extra Gepäck gekauft und haben die Info bekommen: “Bicyle, Box!”

Gesagt getan, also Boxen für die Räder organisieren. War am Ende einfacher als gedacht, neben unserem Hotel war ein Fahrradladen der froh war zwei seiner Kisten los zu werden. Also Fahrräder in die Kiste und dann am nächsten morgen mit dem Taxi ab zum Bahnhof.

Am Bahnhof haben wir einen weiteren Radler getroffen, der ebenfalls aus Berlin kommt und eigentlich bei uns um die Ecke wohnt. Wir haben uns noch kurz unterhalten und müssten dann leider feststellen dass wir leider sehr weit auseinander im Zug untergebracht waren.

Wir gingen also mit unserem Kram zu unserem Wagon und das erste was der Schaffner sagte war:”Nein!”

Mit ein wenig hin und her durften wir dann doch mit all unseren Sachen in den Zug. Nachdem alle Dinge in dem 4-er Abteil waren, war nur leider kein Platz mehr für uns und die Fahrt ging über Nacht und dauert knapp 18 Stunden. Yes, läuft!

Hier ein Bild unserer anfänglichen Situation:


Mit uns im Wagon war noch eine Gruppe lauter, lustiger und vor allem Trinkfreudiger Ukrainer, wovon auch zwei mit uns im Abteil schlafen sollten. Zum Glück waren sie äußerst unkompliziert und haben nur kurz ein langes Gesicht gemacht, welches sich dann aber mit etwas Alkohol schnell wieder änderte. Als ich (Daniel) so mein geschenktes Bier trank, entdeckte ich einen potentiellen Stauraum für eines unserer verpackten Räder. Und es passte ganz knapp. Jetzt brauchten wir noch einen weiteren Stauraum in einem anderen Abteil und da kamen dann wieder die trinkenden Ukrainer ins Spiel.


Nach ein paar weiteren Bier fragte ich mal nach und zum Glück waren sie wirklich unkompliziert. Kein Problem! Können wir machen. Und so haben wir unser Abteil so “aufräumen” können, so dass wir beide jeweils ein eigenes Bett für die Nacht hatten. Wir leerten noch das ein oder andere Bier mit den Leuten und an einem Zwischenhalt haben Sie uns noch etwas zu essen besorgt. Dem Bier und der unglaublich verbrauchten, warmen Luft in dem Wagon geschuldet, schliefen wir mehr schlecht als recht und kamen morgens pünktlich in Odessa an.

Hier wurden wir auch gleich “Opfer” der städtischen Ukrainer. Ein Gepäckträger bot uns seine Dienste an und wollte für die 50m Transport ungefähr den selben Betrag haben, wie ein Ticket von Czernowitz nach Odessa kostet. Zum Glück hatten wir nicht genug im Portemonnaie und wir gaben ihm unser letztes Geld. Als Tip,VORHER nach Preisen für eine Leistung fragen! Naja, egal. Welcome to Odessa! Dies sind nicht unsere Worte, sondern die Worte eines jungen Mannes auf dem Bahnsteig der die ganze Situation mitbekommen hat und ein wenig übersetzt hatte.


Und im Prinzip sollte sich der deutlich höhere Preis uns die nächsten Tage begleiten. Der preisliche Unterschied zwischen dem Land und Odessa war immens. Teilweise kosteten hier Dinge das 3-4 fache. Trotzdem ist es eine wirkliche schöne Stadt und unsere Wohnung war es auch.

Odessa machte auf uns den Eindruck einer alternden Diva. Wirklich sehr schöne Häuser, die ihre besten Tage schon etwas hinter sich haben. Hier ein paar Bilder:


Ein weiteres Highlight stand uns noch bevor, ein persönliches Treffen mit Mr Vladlen. Um unsere Tickets für die Fähre zu bezahlen und in Empfang zu nehmen. Ähnlich korrekt und schnell wie er bei den Mails war, ist er auch in Wirklichkeit. Später auf der Fähre, ist er allen Gästen mit denen wir gesprochen haben, positiv im Gedächtnis geblieben. Wir bekamen eine äußerst korrekte Wegbeschreibung, einen genaue Uhrzeit und natürlich unsere Tickets.


Da sich der Abfahrtstermin leider um zwei Tage nach hinten verschoben hat, haben wir uns nochmal eine neue Unterkunft in der Nähe der Fähre gesucht. Es sei gesagt, dass Mr. Vladlen nur für die Tickets zuständig ist und nicht für den Fährplan. Ich denke, wenn er diesen machen würde, wäre das nicht passiert ?


Der Weg aus Odessa raus, zu unserer neuen Unterkunft war für Daniela ein Höllenritt. Die Hunde die Daniel nur ein Stück bellend begleiteten, hatten es wohl ehr auf sie abgesehen. Auf jeden Fall war sie noch nach der Ankunft im neuen Hotel ganz fertig. Glücklicher Weise war das Hotel anders, als die von Industrie geprägte Umgebung, wirklich nett. Es hatte gerade erst vor ein paar Monaten eröffnet und der Betreiber war äußerst freundlich. Mit uns im Hotel waren nur noch zwei Arbeiter untergebracht. Die es sich nicht nehmen ließen uns erstmal mit Essen und…….tadaaaa….Schnaps zu versorgen. Sie waren wirklich äußerst freundlich und dank der Übersetzung des Hotelbesitzers, haben wir uns noch eine ganze Weile nett unterhalten.


Somit ist der letzte Abend genauso gastfreundlich geendet wir der erste begonnen hat.

Ein Gedanke zu “Die letzten Tage in der Ukraine

  1. Hallo ihr 2,
    es macht wirklich Spaß mit euch unterwegs zu sein. Viele eurer Erlebnisse zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht. Entweder weil “so ähnlich auch erlebt” oder als Vorfreude. Bei uns geht es Ende November wieder los (Costa Rica –> Mexiko). Gerade sitze ich (Jana) in einem Hostel in Palermo, auch so eine alternde Diva. Also die Stadt, das Hostel ist okay. Jedenfalls würde ich einen Sizilianer nur einstellen, wenn er Bäcker oder Eisproduzent wäre, niemals als Bauarbeiter…
    Morgen kommt Thomas nach und dann geht’s für zwei Wochen zum Klettern an die Küste.
    Euch weiterhin pannenfreies Radeln und Rückenwind!
    Jana & Thomas (eure 1. Warmshower)

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