Die ersten zwei Wochen in Georgien

In Batumi angekommen, steuerten wir erstmal gemeinsam mit Jürgen, Dieter und Bruno unsere Pension an. Wir haben sie auch mehr oder weniger gut gefunden, mussten aber feststellen dass sie leider, naja wie sagt man das jetzt, am besten so wie es ist, in nem wirklich schäbigen Teil von Batumi liegt. Aber naja, wir wollen nicht klagen. Daniela und ich tranken noch gemütlich ein Bier und dann nahm der Abend einen seltsamen Verlauf. Erst kamen die drei Herren vom Essen zurück und tranken noch ein weiteres Bier mit uns. Dabei wurde selbstverständlich noch der gerade erstandene einheimische Schnaps probiert. Und nur einen Augenblick später hat uns der Hausherr noch mit weiterem Schnaps, Wein und Bier versorgt. Oha. Im Zuge der Verköstigung haben wir ein klein wenig die Zeit vergessen, immerhin hatten wir uns am nächsten Morgen mit Tabea und Matthias an der Iranischen Botschaft verabredet.

Morgens kamen wir wirklich nicht gut aus dem Bett und mussten, noch unter Einfluss der Verköstigung, mit unseren Rädern durch den völlig chaotischen Verkehr nach Batumi rein fahren. Irgendwie sind wir da auch angekommen und waren sogar relativ pünktlich. Doch mussten wir dann erstmal noch ne ganze Weile auf den feinen Herrn Konsul warten. Er gab uns die Formulare zum Ausfüllen und verschwand wieder. Tabea brauchte noch ein Foto mit Kopftuch und nach kurzer Suche haben wir einen Fotografen gefunden. Er hat auch nur einen Schuss gebraucht um Tabea perfekt in Szene zu setzen ? 

Mit den vollständig ausgefüllten Formularen und den Fotos sind wir zurück zum Konsulat und haben erstmal wieder gewartet.Der Konsul ließ sich nicht blicken. Nach einer weiteren Stunde nahm er dann alles in Empfang und sagte dass es ab jetzt 1-2 Wochen dauern kann, aber er meldet sich bei uns. 

In den Straßen von Batumi

Typischer Hinterhof


Danach gab es erstmal Kaffee und wir entschlossen uns ab Mittwoch (also in 2 Tagen) einen Jeep zu mieten und in den großen Kaukasus zu fahren. Vorher mussten wir uns aber noch den botanischen Garten von Batumi anschauen. Macht natürlich auch mehr Sinn, bei knaller Wetter durch nen Park zu laufen und sich nicht einfach an den Strand zu legen. Aber naja, die Meinung eines einzelnen…

Im Botanischen Garten

Blick auf Batumi


Jetzt mussten wir noch einen Wagen besorgen. Nicht so einfach wie gedacht. Offensichtlich wickeln die meisten ihr Geschäft über Telefon und Internet ab, aber wirkliche Ladengeschäfte haben wir nur zwei gefunden. In dem einen gab es dicke Autos zum Cruisen und “auf dicke Hose machen” in Batumi, aber nicht aus der Stadt raus und der andere sah genau so aus. Nannte sich VIP CARS und es standen nur dicke Autos vor der Tür. Wir fragten trotzdem und bekamen einen kleinen Jeep zu einem landesüblichen Preis angeboten. Also sagten wir zu. Von außen hatte er zwar ein paar Dellen und Kratzer aber Motor lief. Am nächsten Tag holten wir unser KFZ ab und wurden noch darauf hingewiesen auf keinen Fall dass Allrad zu benutzen und bitte alle 2 Tage Öl nach zu kippen. Haben wir zur Kenntnis genommen und sind los in Richtung Berge. Die Bremsen fühlten sich äußerst schwammig an, aber nach mehreren Vollbremsungen haben wir beschlossen weiter zu fahren. Wird schon gut gehen. Aus Batumi raus konnte der kleine Jeep dann auch mal zeigen was wirklich unter seiner Haube steckt. Aber nein, ab 80 km/h begann der Wagen sich derartig auf zu schaukeln dass man direkt wieder von Gas ging. So fuhren wir also gemütlich in Richtung Sugdidi, und die Straßen hätten auch selten mehr als 80 zugelassen. Angepeilt haben wir hier ein zuvor bei booking.com auserkorenes Hotel. Nur da war nix, nur ein Restaurant, also rein fragen. Drinnen hatte man auch keine Ahnung, wir könnten aber oben in der Wohnung schlafen. Für nen ganz schmalen Taler ?. Da wir keinen Bock mehr zum Suchen hatten, sagten wir zu und gingen unten noch was essen. Soweit war auch alles nett, bis die völlig überzogene Rechnung für zwei Suppen und Brote kam. Noch kurz versucht zu diskutieren, aber keine Chance. Merke mal wieder, VORHER nach dem Preis fragen, Pech. Die Nacht war eine der ungemütlichsten unseres Lebens, durchgelegene Matratzen, mit oller Satin Bettwäsche, die in Kombi mit den Schlafsäcken mich die ganze Nacht zum Fußende haben rutschen lassen. Am nächsten Morgen wollten wir alle vier einfach nur so schnell wie möglich weg hier. Das war wohl ein Fehler, wie sich später heraus stellen sollte. Irgendwie hat Matthias in der Eile seine Regenjacke liegen lassen und es erst später gemerkt als er sie dann mal brauchte. Doof, da für die nächsten Tage immer mal wieder Regen angesagt war. 

Von Sugdidi aus ging es ziemlich direkt in die Berge zu einem der höchsten Berge der Region, dem Mount Ushba. Die Straßen dahin waren wirklich witzig und wir haben zwar alles geschafft, aber Allrad und gute Bremsen hätten uns die Strecke bestimmt mehr “genießen” lassen können. Aber auch so war es wirklich schön und beeindruckend. Die nächste Unterkunft war in Mazerie und von hier hatten wir einen wirklich tollen Blick auf den Mount Ushba.


Zum Wandern war leider das Wetter zu schlecht, bzw. Danielas und meine Schuhe nicht geeignet und Matthias hatte ja auch keine Regenjacke. Von daher waren es eher immer kleine Spaziergänge als wirklich Wanderungen. Von Tag zu Tag wurde es kälter, und bei dem Niederschlag war es nur noch eine Frage der Zeit bis Regen zu Schnee wird. Aber noch nicht heute. 

In den “Straßen” von Mazeri

Nächstes Ziel war Mestia, eine kleine “Stadt” die der Startpunkt für viele Wanderer hier im großen Kaukasus ist. Daher gab es hier auch viele Restaurants und Unterkünfte. Nach ein bisschen hin und her haben wir eine preislich akzeptable gefunden und dort Quartier bezogen. Bei unserem “Stadtbummel”, eigentlich waren wir nur auf der Suche nach Kaffee, erblickten wir einen silbernen California Bus. 


Wir wussten dass Ken und Monique auch in die Berge wollten, haben aber nicht damit gerechnet sie wirklich zu treffen. Es war wie immer sehr nett und lustig mit den beiden. Sie wollten aber den Tag noch weiter und sind dann auch los. Es sollte nicht das letzte Treffen mit dem California sein.

Eigentlich hatten wir mal gedacht zu zelten, aber an diesem Abend waren wir wirklich froh ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Es hat derartig geschüttet, daß der Heimweg vom Restaurant zur Unterkunft eigentlich nur ein Hüpfen über Pfützen gewesen ist. 

Öl-Check


Der nächste Tag sollte uns nach Ushguli bringen. Einem der höchsten, ganzjährig bewohnten Dörfer Europas (2200m). Auf dem “Weg” dorthin machten wir noch eine Kaffeepause im nirgendwo und wurden dort total freundlich von Georgio und Fatihma empfangen. Wir tranken den heißesten Kaffee seit Tagen, in einer der best geheiztesten Küchen der Welt. Georgio gab uns auch noch eine Adresse für Ushguli mit, nannte uns einen Preis den wir aushandeln könnten und sagte dass es dort das zweitbeste Essen, nach Fatihmas, geben würde. Wir verabschiedeten uns und versprachen auf dem Rückweg nochmal vorbeizuschauen. 

Blick auf Ushguli


Die letzten 20km waren die reinste Freude. Gut dass wir nen Jeep haben ? Wir trafen auf dem Weg noch eine Gruppe Wanderer aus Polen die gerne mitgenommenen werden wollten. Leider war unser Auto schon voll und so konnten wir ihnen nur ein paar Rucksäcke abnehmen. Wir boten aber an, ihnen nach unserer Ankunft entgegenzufahren und einzusammeln. Nur leider war die Straße so sch…….e, dass wir nicht viel schneller waren als sie. Denn beim Abholen waren sie nur noch knapp 2km entfernt. Die Unterkunft war echt gemütlich nur bitter kalt. Aber wir haben bei klarem Himmel eine tolle Aussicht gehabt. 

2 Stunden später


Gegen die Kälte half uns der Mann der Gastgeberin erst mit Schnaps und dann mit einem Kaminfeuer. Offensichtlich war der Gastgeberin das nicht so ganz recht. Als er die zweite Flasche Schnaps holte, gab es ein ziemliches Geschimpfe aus der Küche. Naja, überall das Gleiche ?

Es wurde wirklich einiges an Schnaps verköstigt, und selbstverständlich haben wir auf Allerlei Freundschaft, Bruderschaft usw getrunken. Uiui!


Am nächsten Morgen haben wir noch einen kleinen Spaziergang zum klar werden gemacht. Hier haben wir nochmal den silbernen California getroffen und ihm eine Nachricht angeheftet und uns dann langsam auf den Weg zurück nach Sugdidi gemacht.


Eine Unterkunft hatten wir schon im Vorfeld gebucht. Matthias wollte hier in der Stadt noch seine vergessene Jacke einsammeln. In der Unterkunft konnte sich nur keiner an die Jacke von Matthias erinnern, angeblich hätten die zwei Reinigungsfrauen, die dort sauber machen, die Jacke eingesteckt. Sorry, aber nach der regelmäßigen Arbeit zweier Putzfrauen sah es bei unserer Übernachtung vor ein paar Tagen nicht aus. Ich befürchte wir wurden belogen. Wir können es aber nicht beweisen, es war nur ein Gefühl, was jeder für sich hatte. 

Nach der Enttäuschung sind wir dann zu unserer Unterkunft, zumindest dachten wir das. Nur da wo sie sein sollte, war nix. Nichts. Oh man, verdammte Scheiße. Also Leute gefragt, ob jemand schonmal was von der Unterkunft hier gehört hat. Eigentlich war die breite Meinung: nein. Freundlicherweise hat ein Soldat (hier war eine Kaserne) bei der Unterkunft angerufen und irgendwas geklärt. Wir wissen nicht was, aber er hat ein Taxi angehalten, dem wir freuen folgen sollten. Das fuhr prompt zurück in die Stadt und wir konnten es nicht ganz glauben. Irgendwann war es dann weg und wir hatten noch immer keinen Schimmer wo die Unterkunft sein sollte. Also weiter fragen. Den erstbesten gefragt und wieder nein. Irgendwann standen 5-6 Männer um uns rum und haben irgendwas diskutiert. Dann hat einer sein Handy rausgeholt und dort angerufen und meinte dann, er zeigt uns den Weg. Also ist er in unser Auto eingestiegen und hat uns weiter Richtung Stadt gelotst. Irgendwann sind wir angehalten und dort stand ein weiterer, älterer Mann, sie haben sich abgewechselt und nun saß der alte Mann mit im Auto und hat uns gelotst. Irgendwann sind wir dann doch angekommen, aber an einer völlig anderen Adresse. Erst dachten wir man wollte uns verarschen, aber die Zimmer sahen so aus wie auf den Bildern bei booking.com. Naja Zimmer (plural) ist eigentlich nicht richtig. Ein Zimmer und ne Küche mit kleinem Bett und ner Klappliege. Ach was solls. Um die Ecke gab es ne weltbekannte Burgerkette und bot uns seit Tagen eine willkommene Abwechslung zu Brot und Suppe.


Von hier ging es für uns mit einem zweitägigen Zwischenhalt in Kutaisi zurück Richtung Batumi. Kutaisi ist wirklich nett und man sieht wirklich viele junge Menschen. Außerdem hatten wir seit Tagen endlich mal schönes Wetter. Die Unterkunft war ein Glücksgriff. Nette Zimmer, freundliche Gastgeber und eine gute Lage. Also perfekt. Wir haben uns die Stadt, den Markt und umliegende Klöster angeschaut und abends endlich mal selber gekocht. Einfach nur Nudeln mit Tomatensoße. Lecker! Dazu gab es selbstgemachten Wein vom Gastgeber und………Schnaps! Natürlich. 



Nun ging unsere gemeinsame Zeit mit dem lustigen Jeep langsam zu Ende, und ehrlich gesagt waren wir auch froh alles ohne Schäden überstanden zu haben. Der Ausflug in die Berge hat ihm doch noch ein wenig zugesetzt und so fing das Auto jetzt schon bei 60 km/h an sich aufzuschaukeln. Wir haben dem Vermieter in Batumi von den Mängeln erzählt und er hat nur gegrinst und gesagt: i know, but you are alive. Joah, stimmt und ist ja auch in sich schlüssig. Aber war trotzdem spannend. 

Leider hat unser Besuch auf der iranischen Botschaft noch nichts gebracht und so haben wir uns erstmal bei miesestem Wetter für eine zentrale Unterkunft entschieden, in der Tabea und Matthias vorher schonmal übernachtet haben. Ein wenig genervt über die Visasache und das Wetter haben wir überlegt wie es weiter geht. Tabea und Matthias haben sich entschieden mit dem Bus nochmal in Richtung Kutaisi zu fahren. Daniela und ich haben uns eine wirklich schöne Wohnung in der Nähe der Botschaft gesucht und wollen die nächsten Tage den Blog auf Vordermann bringen, bei gutem Wetter den Strand begutachten und schauen wie es dann weiter geht.

Ein Gedanke zu “Die ersten zwei Wochen in Georgien

  1. Hi Daniel
    Hope all is well with you both.
    I have lots of new anecdotes to tell!!!!!
    We had a great time hiking in Kazbegi and after further eastwards.
    Keep publishing
    ken

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