3 Nächte in Jerewan/Armenien

Die weitere Busfahrt war bis auf die ständigen Pausen unseres Fahrers eigentlich echt gut. Bei einer größeren Essenspause nutzte er die Zeit die Reifen zu tauschen. Mit einem Blick auf das Profil der alten Reifen in Kombination mit dem “offensiven” Fahrstil nicht die schlechteste Entscheidung. Allerdings dauerte die Pause dadurch mehr als 1,5 Stunden. 

Links Raststätte, rechts Werkstatt

Aber drinnen gab es feinste Leckereien

Und draußen ein wundervolle Aussicht


Aber kein Problem, die hat er locker wieder reingefahren.Unsere Eindrücke zu Armenien beschränken sich nur auf die Hauptstadt Jerewan.

In Jerewan ließ er uns an einem Busbahnhof raus, der den typischen Charme eines Busbahnhofs hatte. Das alles bei Dunkelheit und Nässe. Träumchen. Welcome to Jerewan! Kaum ausgestiegen, wurden wir auch schon von Taxifahren angesprochen/belagert und aufgefordert doch mit Ihnen zu fahren. Daniela und ich hatten da recht schlagfertige Argumente kein Taxi zu benötigen. Tabea und Matthias waren bereits in Jerewan und kannten die ortsüblichen Preise. Aber das philippinsche Paar nicht so ganz. Wir haben uns noch kurz von ihnen verabschiedet und ihnen den ortsüblichen Preis nennen können, der ca ein Viertel ihres vereinbarten Preises war. Also die bereits von den Fahrern eingeladenen Koffer wieder raus und ab zum nächsten Taxi. Tabea, Matthias und das Paar sind dann einen Teil gemeinsam in die Stadt, in Richtung unseres Hotels gefahren. Als wir mit unseren Rädern an der besagten Adresse ankamen, war dort auf den ersten Blick nur eine Imbissbude. Der freundliche Besitzer wies uns aber an, einfach weiter in die dunkle Gasse zu fahren, dort sei wohl was. Und wirklich, über der Autowerkstatt war ein Hotel. Zeitgleich kam uns auch schon Matthias entgegen. Leider mussten wir noch eine Weile warten um unseren Stellplatz für die Räder zu bekommen. Irgendwie musste der Schlüssel für eine Garage noch aufgetrieben werden. Also habe ich (Daniel) unten auf die Räder gewartet und Daniela ist schon einmal rauf auf das Zimmer. Da stand ich nun vor der noch immer geöffneten Autowerkstatt und beobachtete wie eine Mercedes AMG G-Klasse nach der anderen vorfuhr und wieder verschwand. Die Leute waren aber alles äußerst nett und offen und haben mich auf englisch und Googletranslate gefragt was ich mache usw. Es gab Tee, Zigaretten, Fotos mit mir und den Rädern und die Frage ob ich Hilfe bräuchte. Eigentlich wartete ich ja nur auf den Stellplatz, allerdings war mir beim Ausladen und Zusammenbauen meines Rades ein Stromkabel gerissen. Da dacht ich mir, na frag doch mal. Und was soll man sagen, drei Minuten später gab es das professionell geflickte Kabel zurück und die Frage ob man vielleicht nochmals für mich tun könnte. Ich fragte noch nach einem Restaurant, verteilte eine Runde Zigaretten und trank noch einen Tee mit Ihnen. Dann kam auch der Mann mit dem Schlüssel. 

Später sind wir noch zu viert in das empfohlene Restaurant und es war wirklich lecker, gemütlich und preiswert. Zum Essen gab es noch traditionell armenische Live Musik, so dass wir uns leider nicht weiter unterhalten konnten. 

Tabea und Matthias haben sich dann den nächsten Tag weiter auf den Weg gemacht, Daniela und ich blieben noch zwei weitere Tage um uns die Stadt anzuschauen. Es ist ein netter Mix aus Moderne, alter Sowjetzeit, zum Teil christlich aber auch schon die ein oder andere Moschee. Uns hat es sehr gut gefallen. Auf einem dieser Stadtbummel zur Beschaffung eines geeigneten Oberteils für Danielas Einreise in den Iran, trafen wir auch noch einmal das philippinsche Paar aus dem Bus.

Man trifft sich immer zweimal

Sightseeing

Eine der unzähligen Skulpturen in Jerewan

Auch Jerewan hat eine Wasser-Show mit Musikbegleitung


Wir haben lecker gegessen und die letzten Biere genossen, bald sollte es damit ja erstmal vorbei sein ?

Beim Genießen der letzten Biere kamen wir auch in Kontakt mit drei armenischen jungen Männern. Wir unterhielten uns kurz, tanzten ein wenig und tranken noch ein paar Biere mehr ?

Den nächsten Tag haben wir sehr spät begonnen. Wenn man ein wenig ehrlich ist, haben wir eigentlich nur abends kurz das Zimmer zum Essen gehen verlassen. 

Freundlicher Weise hat das Hotel uns den Bus nach Tabriz (Iran) rausgesucht und uns auch zwei Plätze inklusive Fahrrädern reserviert. 

Am nächsten Morgen war außer Frühstück, Packen und zum Busbahnhof fahren nichts weiter zu tun. Trotzdem blieb das Gefühl, hoffentlich nehmen sie die Räder auch mit, klappt die Einreise in den Iran mit meinem korrigierten Visum. Na wir werden sehen.

Nachtbus nach Teheran


Der Bus in Richtung Iran war ein großer, äußerst luxuriöser Bus. Die Sitze waren bei weitem größer und bequemer als in allen bisher benutzen Fortbewegungsmitteln. Beim Einstieg und der Kontrolle der Fahrscheine hat ein netter Kerl mit langen schwarzen Haaren und nem Metal-Shirt einer deutschen Band geholfen. Dafür habe ich erstmal Anerkennung ausgesprochen, die uns wenig später ein paar Dollar ersparen sollte. Nämlich als es um das Verladen der Fahrräder ging. Ein Typ wollte nochmal 50$ extra. Nach einem verneinen, einer kleinen Diskussion kam dieser Metalshirt-Träger und signalisierte mir, ist ok. Danke an den Drummer der armenischen Metalband “Adana Project” ??

So ziemlich auf den letzten Drücker kam auch noch ein offensichtlich nicht Armenier oder Iraner zum Bus. Dieser stellte sich als Philipp aus Berlin heraus. Philipp war diesmal “nur” als Backpacker mit Bussen und Zügen unterwegs. Diesmal auch “nur” ein paar Wochen. In den weiteren Gesprächen mit ihm auf der Fahrt stellte sich heraus, dass er bereits die Welt mit dem Rad umrundet hat und für sein Leben gerne reist. Es waren wirklich nette, witzige und interessante Gespräche auf der geplanten 17-stündigen Fahrt, erstmal nach Tabriz. Philipp hatte das Reiseziel Teheran, welches wir eigentlich erstmal umgehen wollten. Dazu dann aber an anderer Stelle mehr.

Philipp


Auch diesmal war die Entscheidung einen Bus zu nehmen Gold richtig. Was sich zuvor noch als herbstliches Wetter beschreiben lässt, war nun ab einer gewissen Höhe winterlich. So winterlich dass unser Bus, inzwischen mit Schneeketten ausgerüstet, sich den Weg über die Berge in Richtung Iran zum Teil nur im Schritttempo bahnen konnte. Aber wir saßen ja gemütlich in dem gut ausgestatteten Bus und haben uns das armenische Winter-Wonder-Land durch die Scheibe angeschaut. Wirklich sehr beeindruckend. Bei besserem Wetter bestimmt eine noch schönere Erfahrung. Aber so war es für den Moment, denken wir, das Beste. 

Weiter passierte bis zur Grenze eigentlich nichts Außergewöhnliches. Wir unterhielten uns mit Philipp, schauten aus den Fenstern, tranken bei den Pausen Kaffee und machten auch mal ein Schläfchen. An der Grenze mussten wir mit allem aus dem Bus raus. Es war dunkel und äußerst regnerisch. Netterweise half uns Philipp unsere Sachen in das Grenzgebäude zu verfrachten, so das wir einigermaßen trocken alles über die Bühne bringen konnten. Ein wenig Bammel hatte ich jetzt schon, wegen dem vom iranischen Konsul in Batumi korrigierten Visum. Aber was sollen wir sagen. Alles völlig unproblematisch. Zum Glück. Man stellte uns Fragen nach Beruf, Name des Vaters und Reiseziele. Es wurde viel im Computer getippt und geklickt ohne dabei irgendwas zu sagen, aber nach ein paar Minuten war alles ok. Jetzt noch die Gepäckkontrolle. Bei mir einfach die Packtaschen auf das Laufband durch den Scanner, währenddessen haben sich die beiden Beamten mit mir unterhalten und keinen Blick auf den Monitor oder die Taschen selber geworfen. Dann kam aber Daniela, da sollte man schonmal genauer hinschauen, und sie fanden auch einen verdächtigen Gegenstand in einer der Taschen. Tadaa: Sojasauce! Der Beamte roch an der Flasche und hat sie für alkoholisch befunden. Die Einfuhr von Alkohol ist streng verboten. Wir haben versucht es ihm zu erklären, haben jetzt aber auch emotional in den vergangenen Wochen keine Bindung zu der Sauce aufbauen können, so dass wir bereit gewesen wären uns von ihr zu trennen. Drei andere iranische Reisende haben ihm dann noch was gesagt und er erlaubte uns gemeinsam mit der Sauce weiter zu reisen. Und so: Hallo Iran!

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